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Wissen für Sie

Führung verstehen und aktiv gestalten

Führungskräfte sind der Schlüssel zu einem erfolgreichen Unternehmen. Doch was bedeutet „Führung“ eigentlich genau? Welche Kompetenzen sollte eine Führungskraft mitbringen? Und welche Eigenschaften zeichnen sie aus? – All das erfahren Sie in diesem kurzen Wissensüberblick.

Definitionen des Begriffs Führung gibt es wie Sand am Meer. Der Wirtschaftspsychologe Florian Becker definierte Führung im Jahr 2015 als die „zielgerichtete Beeinflussung des Verhaltens und Erlebens von Einzelpersonen und von Gruppen in Organisationen“ (Florian Becker, 2015). Damit stellt er eindeutig den Menschen und dessen Verhalten in den Mittelpunkt seiner Begriffsbestimmung.

Aus dieser Definition lassen sich verschiedene Merkmale ableiten, die die Bedeutung von Führung darlegen.

Führung ist…

… zielgerichtet

… ein Prozess

… mit „Macht“ verbunden

… auf Einzelpersonen oder Gruppen bezogen

… auf das menschliche Erleben bezogen

… Beeinflussung innerhalb von Organisationen

… teilbar

… nicht zwangsläufig an formelle Positionen gebunden

 

Anhand dieser vielseitigen Merkmale wird bereits deutlich, wie umfangreich und verantwortungsvoll die Aufgaben von Führungskräften sind. In ihrer Position erfüllen Führungskräfte meist mehrere Funktionen gleichzeitig:

  • Führungskräfte bieten ihren Mitarbeitenden Orientierung durch Visionen und das Setzen von Zielen.
  • Gemeinsam wird auf das Erreichen der gesetzten Ziele hingearbeitet. Die Führungskraft verteilt dafür Aufgaben und verfolgt den Grad der Zielerreichung.
  • Indem man den Mitarbeiter*innen Orientierung bietet und gemeinsam Ziele anstrebt, sichert die Führungskraft auch den Unternehmenserfolg.
  • Um Ziele zu erreichen, muss eine Führungskraft Prozesse, Aufgaben und eingesetzte Mitarbeiter*innen untereinander koordinieren.
  • Durch gute Führung wird das Miteinander bestärkt, beispielsweise durch regelmäßige, effektive Teammeetings oder Ausflüge.
  • Die Mitarbeiter*innen müssen motiviert werden, die eigenen Aufgaben umzusetzen. Dafür brauchen sie z.B. auch Information, warum eine Aufgabe erledigt werden muss

 

Um diesen Aufgaben gerecht zu werden und erfolgreich führen zu können, sollten Führungskräfte bestimmte Eigenschaften besitzen:

  • Führungskompetenzen: dazu gehören z. B. souveränes persönliches Auftreten oder analytisches Denkvermögen in komplexen Zusammenhängen. Eine Führungskraft sollte aber auch Eigeninitiative zeigen und ihre Ziele und Ergebnisse konsequent verfolgen. Zudem sind überzeugende Kommunikation, Teamfähigkeit, kreative Problemlösung und konstruktives Konfliktmanagement die Grundlagen eines produktiven Arbeitsklimas.
  • Weiterhin besitzt eine erfolgreiche Führungskraft Autorität durch fachliches Wissen: d.h. ihr Fachkönnen und ihre Erfahrungen sichern ihr Anerkennung und Ansehen von anderen und wirken direkt überzeugend.
  • Eine erfolgreiche Führungskraft sollte auch sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz fördern, denn gutes Miteinander fördert die Gesundheit und trägt damit auch zur Leistungsfähigkeit und Produktivität bei.
  • Eine erfolgreiche FK ist aber auch immer abhängig von der aktuellen Situation: Diese beeinflusst ebenfalls, ob Menschen erfolgreich geführt. Daher muss sich eine Führungskraft auch der aktuellen Situation anpassen können und offen für Veränderungen sein.

 

Erwartungsmanagement und förderliche Rahmenbedingungen

Erwartungen sind Annahmen darüber, worauf andere „warten“. Man er–wartet ein Ergebnis, eine Handlung, eine Entscheidung oder ein bestimmtes Verhalten von jemand anderem. Die einen Erwartungen sind explizit (Ziele), während die anderen eher implizit bestehen. Dies sind häufig Erwartungen, die mit bestimmtem Verhalten verknüpft sind.
Gerade bei diesen nicht diskutierten, impliziten Erwartungen besteht die Gefahr von Missverständnissen und Frust – und schließlich sind sie häufig Auslöser von Stress. Deshalb ist es gerade für diese Art von Erwartungen wichtig, dass man sie thematisiert und immer wieder darüber spricht und sich diese Erwartungen und Annehmen gegenseitig transparent macht. Erst dann kann man entscheiden, wie man damit umgeht.

Erwartungen beeinflussen die eigene Führungstätigkeit.  Um mit den verschiedenen Erwartungen effektiv umzugehen, gibt es das Erwartungsmanagement.

  1. Seien Sie sich bewusst darüber, welche Annahmen Sie über die Erwartungen anderer an Ihre Person treffen. Schreiben Sie diese auf.
  2. Prüfen Sie alle Annahmen, bei denen Sie nicht ganz sicher sind, im direkten Gespräch mit den Betroffenen.
  3. Gewichten Sie diese Erwartungen, setzen Sie Prioritäten mit der Frage:  Was ist, wenn ich diese Erwartung nicht erfülle? Was würde dann passieren?
  4. Schreiben Sie die wichtigsten Erwartungen auf, die Sie selber an sich selbst haben. Prüfen Sie, welche Sie unbedingt weiter haben möchten, welche Sie gehen lassen können.
  5. Identifizieren Sie die eingespielten Selbsterwartungsmuster. Beobachten Sie, wann diese zum Tragen kommen und machen Sie kleine Experimente, diesen NICHT nachzuleben.

 

Förderliche Rahmenbedingungen für die Führung von Menschen

Ihr Vorgesetzter und Ihre Mitarbeiter*innen haben Erwartungen an Sie und Ihre Tätigkeit. Sie haben natürlich auch Erwartungen an Ihre Mitarbeiter*innen und auch an Ihre*n Vorgesetzte*n. Bei Unklarheiten über die gegenseitigen Erwartungen hilft das Erwartungsmanagement.

An einem Führungsleitbild kann sich der/die Einzelne orientieren. Bei der gemeinsamen Erstellung werden Erwartungen und Werteverständnisse transparent gemacht und diskutiert.

Bei einer einheitlichen Kommunikation geht es auch darum, dass nicht an Ihnen „vorbei“-kommuniziert wird.

Als operative Führungskraft ist man einerseits Vorgesetzte*r, andererseits Befehlsempfänger*in. Dies kann zu Identitätsproblemen und somit zu Problemen bei der Erfüllung der Führungsaufgaben führen. Ein Stellenprofil kann helfen. (Rollenverständnis)

Das Stellenprofil hilft zur Definition des Selbstbildes und regelt klar, für was und wen Sie zuständig sind. Weiterhin dient es als Orientierung für Sie und – wenn es richtig kommuniziert wird – auch zur Orientierung für alle Organisationsmitglieder.

Als operative Führungskraft ist man Mehrfachspezialist und muss vielfältige Anforderungen erfüllen. Im Idealfall wurden Sie entsprechend auf diese vielfältige Aufgabe vorbereitet. Manchmal fehlen aber Kenntnisse über Instrumente und Methoden der Personalführung. (Qualifikation)

Motivation ist ein sehr vielfältiges Thema: Wie motivieren Sie sich selbst? Werden Sie von anderen motiviert? Mit welcher Motivation kommen Ihre Teammitglieder zur Arbeit? Wirken die Rahmenbedingungen motivierend?

Rahmenbedingung Rückhalt (hier finden sich gleich mehrere kleine Rahmenbedingungen):Es ist wichtig, dass Sie sich des nötigen Rückhalts seitens der oberen Führungsebenen bzw. der Geschäftsführung sicher sein können. Dieser Rückhalt kann sich in Kommunikationsformen und Wertschätzung zeigen, in Handlungsfreiheiten („Sollen und Dürfen“), die Ihnen gegeben werden oder in der Reduktion von Bürokratie. Rückhalt zeigt sich ebenfalls darin, ob und wie Sie in die Strategieentwicklung einbezogen werden.

 

Natürlich besitzt nicht jede Führungskraft all diese Eigenschaften von Beginn an. Wie eingangs erwähnt, ist Führung ein kontinuierlicher Prozess, bei dem es stets etwas Neues zu erlernen gibt. Sie denken jetzt vielleicht, dass Führung nur durch Praxis erlernt werden kann. Wir sagen: Ja und nein. Natürlich sind praktische Erfahrungen wichtig, um das eigene Führungsverhalten in künftigen ähnlichen Situationen anpassen zu können. In der Realität passiert es aber häufig, dass Personen ohne längere Vorbereitungs- und Lernzeit aus einer Mitarbeitenden- in die Führungsposition gelangen. Dies kann den Rollenwechsel deutlich erschweren. Wir raten daher vor Antritt einer Führungsposition:

1.Bauen Sie ein stabiles Mindset auf: Machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie führen möchten und wie Sie Ihre Mitarbeitenden in Prozesse und Entscheidungen einbeziehen möchten. Hierbei hilft es, eigene Erfahrungen zu reflektieren. Wie würde ich bisher geführt? Was hat mir daran gefallen? Was möchte ich übernehmen? Was möchte ich anders machen?

2. Reflektieren Sie sich selbst: Beobachten Sie sich und Ihre Kompetenzen im Alltag. Lassen Sie sich Feedback von anderen geben. Wie sind Ihre Kommunikations-, Organisations-, Konflikt- und Teamfähigkeit aufgestellt? Bedarf es gegebenenfalls hier und da einer Verbesserung?

3. Weiterbildung ist auch als Führungskraft das A und O: Scheuen Sie sich nicht und stärken Sie sich vor dem Antritt einer Stelle mit einer für Sie passgenauen Weiterbildung. Es gibt verschiedene Anbieter für Führungskräftetrainings auf dem Markt.

4. Mentoring als Schlüssel zum Erfolg: Suchen Sie sich für die ersten ein bis zwei Jahre eine*n Mentor*in - also eine erfahrene Führungskraft, mit der Sie sich zu Ihren Erfahrungen und Fragen austauschen können. Das ist Gold wert!

 

Lernen und weiterbilden ist aber nicht nur für neue Führungskräfte wichtig. Auch wenn Sie schon seit längerer Zeit in einer Führungsposition tätig sind, lohnt sich der Blick über den Tellerrand, denn nicht nur die betrieblichen Rahmenbedingungen verändern sich fortwährend, sondern auch die Personen, die Sie führen. Hierauf sollte man sich einstellen können. Erfahrenen Führungskräften empfehlen wir daher:

  1. Scheuen Sie sich nicht vor Feedback: Holen Sie sich regelmäßig Feedback ein. Fragen Sie dabei auch bewusst bei jüngeren bzw. neuen Mitarbeitenden nach und bitten Sie um eine Einschätzung Ihres Führungsverhaltens. Neue Mitarbeitende können ggf. vergleich zu früheren Vorgesetzten ziehen. Jüngere Beschäftigte können Ihnen einen Einblick in ihre Wertvorstellungen und ihre Haltung zur Arbeit im Allgemeinen geben.
  2. Tauschen Sie sich auch mit anderen Führungskräften aus: je länger man in einer Position tätig ist, desto größer die Gefahr, „betriebsblind“ zu werden. Der Austausch mit Führungskräften aus anderen Abteilungen oder anderen Unternehmen kann Ihren Blick für alternative Lösungen und kreative Ideen öffnen.

Bleiben Sie lernbereit! Auch als erfahrene Führungskraft kann und sollte man Weiterbildungsangebote zu fachlichen Themen oder Soft Skills nutzen. Auf diesem Weg können Sie sich nicht nur selbst weiterentwickeln, sondern Sie gehen auch mit gutem Beispiel vorn und motivieren so Ihre Mitarbeitenden sich ebenfalls für Weiterbildungsangebote zu interessieren.

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