
Was bleibt, wenn Mentoring wirkt? Ein Good-Practice-Beispiel zum Abschluss von Leading Ladies
Wie Mentoring bei Reeds ’n Stuff Entwicklung, Selbstsicherheit und Zusammenarbeit im Unternehmensalltag gestärkt hat.
Zum Projektende: Ein Blick darauf, was gewirkt hat
Leading Ladies ist mit einem klaren Anliegen gestartet: Frauen auf ihrem Weg in verantwortungsvolle Rollen stärken und Unternehmen dabei begleiten, Entwicklung nicht dem Zufall zu überlassen. Zum Ende des Projektes lohnt sich deshalb ein Blick in die Praxis: Was ist in den Unternehmen passiert? Welche Impulse haben gewirkt? Und was bleibt, wenn die Projektlaufzeit endet?
Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist die Reeds ’n Stuff GmbH in Cranzahl. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Zubehör, Maschinen und kleine Werkzeuge für Holzblasinstrumente. In diesem spezialisierten Arbeitsumfeld treffen handwerkliches Wissen, digitale Prozesse und enge bereichsübergreifende Zusammenarbeit aufeinander. Genau dort wurde sichtbar, was Mentoring leisten kann, wenn es nicht neben der Arbeit stattfindet, sondern mitten im Unternehmensalltag.
Yasmin Looß aus der Buchhaltung und Susanne Müller aus dem E-Commerce wurden im Projekt von Geschäftsführer Peter Brückner als Mentor begleitet. Aus regelmäßigen Gesprächen entstand mehr als ein Austauschformat: ein Entwicklungsprozess, der persönliche Sicherheit gestärkt, Rollen geklärt und Zusammenarbeit im Unternehmen verändert hat.
Mentoring als Raum für Entwicklung
Für Peter Brückner passte Leading Ladies zu einem Anliegen, das ihn als Geschäftsführer ohnehin beschäftigt: Mitarbeitende darin zu unterstützen, eigene Stärken zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und ihren Weg im Unternehmen aktiv mitzugestalten.
„Ich bin sehr daran interessiert, dass alle sich bei uns im Unternehmen weiterentwickeln. So, wie sie sich das gut vorstellen können.“
Peter Brückner, Geschäftsführer
Mit Yasmin Looß und Susanne Müller traf dieses Anliegen auf zwei Mentees, die ihre berufliche Entwicklung bewusst gestalten und neue Verantwortungsschritte reflektieren wollten. Peter Brückner begleitete sie dabei als Mentor. So entstand die Grundlage für einen Mentoring-Prozess, der von Beginn an eng mit dem Unternehmensalltag verbunden war.
In der Umsetzung gehörten dazu persönliche 1:1-Gespräche. Sie setzten an den individuellen Zielen der Mentees an und boten Raum, konkrete Erfahrungen, Fragen und Entwicklungsschritte aus dem Arbeitsalltag zu reflektieren. Ergänzt wurde dieser Austausch durch Impulse aus dem Projekt: der Mentoring-Leitfaden, Kleingruppentreffen für Mentees und Mentor:innen sowie die Möglichkeit zur individuellen Begleitung durch das Projektteam.
Zwei Entwicklungswege, ein gemeinsamer Prozess
Yasmin war zu Beginn des Projektes stark in ihrem Aufgabenbereich eingebunden. Rückblickend beschreibt sie, dass zunächst vieles vor allem innerhalb klarer Zuständigkeiten gedacht wurde. Im Mentoring veränderte sich dieser Blick. Sie begann, stärker über den eigenen Aufgabenbereich hinauszuschauen, sich aktiv neue Themenfelder auszusuchen und sich in diese einzuarbeiten sowie kleinteiligere Zusammenhänge im Unternehmen bewusster wahrzunehmen.
„Für mich war spannend, mich persönlich weiterzuentwickeln. Das war für mich ein ganz großes Thema.“
Yasmin Looß, Buchhaltung
Ein ehrlicher Moment von Yasmin markierte einen Wendepunkt: Nachdem Herausforderungen in der Gesprächssituation mit dem Mentor offen angesprochen wurden, veränderte sich die Kommunikation zwischen beiden spürbar. Das offene Feedback führte zu einem positiveren, zielgerichteteren und besser aufeinander abgestimmten Austausch.
„Ich musste klar kommunizieren: Ich komme mit den Gedanken gerade nicht ganz mit. Ab dann hat sich unsere Kommunikation total gewandelt.“
Yasmin Looß, Buchhaltung
Aus dieser Offenheit entstand mehr Orientierung, Gespräche wurden fokussierter und Themen klarer benannt. Es fiel leichter, Wahrnehmungen auszusprechen und selbst Einfluss auf die Qualität der Zusammenarbeit zu nehmen. Daraus ist ein großer Entwicklungsschritt entstanden: Kommunikation geht leichter von der Hand, Themen werden aktiver adressiert und die Erfahrungen aus dem Projekt wirken über die Arbeit hinaus.

Susanne Müller brachte ein anderes Anliegen mit. Ihr Arbeitsbereich im E-Commerce ist eng mit vielen anderen Abteilungen verbunden. Rückfragen, Abstimmungen und spontane Anliegen gehören zum Alltag. Gleichzeitig soll der Bereich weiterentwickelt werden. Für Susanne wurde deshalb zentral, Aufgaben besser zu strukturieren, Prioritäten zu setzen, Verantwortung abzugeben und Grenzen klarer zu kommunizieren.
„Meine Zielsetzung war, mich besser zu strukturieren, mich besser durchzusetzen und auf meine Grenzen zu achten.“
Susanne Müller, E-Commerce
Im Mentoring gewann sie mehr Sicherheit darin, Zuständigkeiten einzuordnen, Aufgaben zu priorisieren und auch einmal klar zu sagen, wenn ein Thema nicht in ihren Bereich fällt. Dabei ging es nicht nur um Organisation, sondern auch um Selbstvertrauen. Susanne beschreibt, dass sie heute weniger lange mit sich selbst diskutiert, bevor sie eine Grenze setzt oder Verantwortung klar zuordnet.

Wie Projektimpulse in den Alltag wandern
Besonders sichtbar wurde die Wirkung dort, wo Erkenntnisse nicht im Gespräch blieben. Yasmin und Susanne entwickelten gemeinsam einen Gesprächsleitfaden. Darin sammeln sie hilfreiche Formulierungen und Impulse für verschiedene Kommunikationssituationen. Perspektivisch soll dieses Wissen auch anderen Mitarbeitenden im Unternehmen zugänglich gemacht werden.
Auch im Aufgabenmanagement entstanden konkrete Veränderungen. Digitale Tools werden bewusster genutzt, Aufgaben strukturierter erfasst und Verantwortlichkeiten klarer zugeordnet. Fokuszeiten helfen dabei, konzentriertes Arbeiten besser zu ermöglichen, ohne die notwendige Ansprechbarkeit im Team zu verlieren.
Ein weiteres Beispiel ist ein Know-how-Dokument, in dem Abläufe, Fachwissen und Erfahrungswerte gesammelt werden. Es soll langfristig helfen, Wissen leichter verfügbar zu machen: für Vertretungen, neue Kolleg:innen oder wiederkehrende Kundenanliegen.
Damit zeigt sich ein wichtiger Effekt von Leading Ladies: Mentoring stärkt nicht nur einzelne Personen. Es kann auch Arbeitsweisen, Kommunikationsroutinen und Wissenstransfer im Unternehmen weiterentwickeln.
Wirkung, die ins Team ausstrahlt
Ein besonderer Gewinn entstand in der Zusammenarbeit zwischen Yasmin und Susanne. Beide arbeiteten nicht nur jeweils mit Peter Brückner, sondern suchten auch untereinander stärker den Austausch. Bei Fragen, Unsicherheiten oder Einschätzungen gingen sie aufeinander zu, besprachen Situationen und unterstützten sich gegenseitig.
Aus zwei individuellen Entwicklungswegen entstand so eine kollegiale Verbindung. Beide beschreiben, dass sie heute enger zusammenarbeiten und sich stärker auf die Perspektive der anderen verlassen können.
Auch im Unternehmen wurde die veränderte Kommunikation spürbar. Susanne beschreibt, dass durch die offenere Haltung auch andere Kolleg:innen eher bereit sind, Themen anzusprechen. Wenn sichtbar wird, dass Fragen, Kritik und Verbesserungsvorschläge konstruktiv aufgenommen werden, entsteht Schritt für Schritt mehr Vertrauen.
„Es ist Raum entstanden, in dem sich Leute trauen, Dinge anzusprechen.“
Susanne Müller, E-Commerce
Für Peter Brückner ist genau dieses gegenseitige Verständnis ein zentraler Gewinn. Als Mentor wollte er nicht einfach Lösungen vorgeben, sondern Denkprozesse anstoßen. Gleichzeitig wurde auch für ihn deutlich, wie unterschiedlich Menschen denken, arbeiten und lernen.
„Man entwickelt ein Verständnis füreinander. Das ist das Allerwichtigste im Team.“
Peter Brückner, Geschäftsführer

Auch Mentor:innen entwickeln sich weiter
Das Beispiel von Reeds ’n Stuff zeigt: Mentoring ist keine Einbahnstraße. Auch Mentor:innen lernen mit. Peter Brückner beschreibt das Projekt als Reflexionsprozess, in dem er sich intensiver mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Kommunikationsweisen und Arbeitsstilen auseinandergesetzt hat.
Was bei einer Mentee gut funktionierte, konnte bei einer anderen Irritation auslösen. Diese Erfahrung führte zu mehr Aufmerksamkeit für Kommunikation und Vorgehensweisen. Auch Rückmeldungen aus dem Team zeigten, dass sich sein Blick verändert hat: weg von einer bevorzugten Arbeitsweise, hin zu mehr Verständnis dafür, dass Aufgaben auf unterschiedlichen Wegen gut gelöst werden können.
Gerade darin liegt ein wichtiger Mehrwert von Mentoring in Unternehmen. Es stärkt nicht nur weibliche Nachwuchsführungskräfte, sondern verändert auch Führungspraxis, Zusammenarbeit und Lernkultur.
Führung beginnt nicht erst mit einer Position
Für Yasmin und Susanne hat sich durch Leading Ladies auch der Blick auf Verantwortung verändert. Führung zeigt sich nicht erst in einer offiziellen Führungsposition. Sie beginnt dort, wo Menschen Kommunikation bewusst gestalten, Aufgaben strukturieren, Grenzen setzen, Prozesse mitdenken und Verantwortung übernehmen.
Yasmin erlebt das in ihrer Rolle in der Buchhaltung, in der sie auf Zuarbeit aus verschiedenen Bereichen angewiesen ist und Prozesse zunehmend aktiver mitgestaltet. Susanne erlebt es im E-Commerce, wo Koordination, Priorisierung und bereichsübergreifende Abstimmung zentrale Bestandteile ihrer Arbeit sind.
Beide sind auf unterschiedliche Weise in ihre Rollen hineingewachsen. Nicht mit einem fertigen Bild von Führung, sondern Schritt für Schritt, ausgehend von ihren Aufgaben, Stärken und Entwicklungsfeldern.
Was bleibt und wie es weitergeht
Zum Ende des Projektes steht bei Reeds ’n Stuff kein abgeschlossener Prozess, sondern ein Anfang, der weiterwirkt. Rollen werden weiter geklärt, Aufgaben strukturiert, Wissen geteilt und neue Verantwortlichkeiten vorbereitet. Yasmin verfolgt weiter das Ziel, Arbeitsabläufe zu systematisieren und strukturieren und Wissen so zu dokumentieren, dass es für andere zugänglich gemacht wird und langfristig im Unternehmen erhalten bleibt. Susanne beschäftigt sich mit Rollenbildern, Organigramm und möglichen nächsten Schritten im E-Commerce-Bereich.
Was beide aus Leading Ladies mitnehmen, ist mehr als Methodenwissen. Es ist die Erfahrung, dass Entwicklung möglich wird, wenn man sich Zeit nimmt, Fragen zulässt und die eigene Stimme nutzt.
Peter Brückner formuliert es als Empfehlung an Frauen, die sich beruflich weiterentwickeln oder eine Führungsrolle anstreben:
„Versucht, Klarheit über euch selbst und euren Platz zu gewinnen. Und wenn ihr diese Klarheit habt, versteckt euch nicht, sondern erhebt eure Stimme und handelt.“
Peter Brückner, Geschäftsführer
Genau darin liegt die Stärke dieses Good-Practice-Beispiels. Leading Ladies hat keine fertigen Antworten geliefert. Das Projekt hat Räume geschaffen: für Reflexion, Austausch, Erprobung und konkrete Schritte im Arbeitsalltag.
Bei Reeds ’n Stuff ist daraus ein Prozess entstanden, der Yasmin und Susanne gestärkt, Peters Blick auf Führung erweitert und das Miteinander im Unternehmen verändert hat. Das zeigt: Mentoring wirkt besonders dann, wenn es nicht als Zusatzformat verstanden wird, sondern als Teil guter Personal- und Organisationsentwicklung.




