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Heiße Luft statt frischer Wind?

Wie Fachkräftenachwuchs durch unauthentische Webseiten abgeschreckt wird

Lesdauer: 3 Minuten

 

Vielleicht hatten Sie selbst schon einmal diese Idee: „Kommt, lasst uns unsere Webseite und Stellenanzeige ein klein wenig schöner gestalten, als es in der Realität bei uns wirklich ist. Das machen doch auch andere so!“ Sie ahnen es vielleicht schon, dass diese Idee keine sonderlich gute ist!

 

Im Kontext des gegenwärtigen Fachkräftemangels sind Unternehmen mehr und mehr unter Druck, sich so gut nach außen zu präsentieren. Schließlich sollen sich Bewerbungen bei Ihnen eingehen und nicht bei der Konkurrenz. Eine gut gestaltete Unternehmenswebseite ist dabei als Einfallstor für Fachkräfte zu verstehen. Doch bei der Webseitengestaltung kann es schnell mal passieren, dass durch die Notwendigkeit, sich als Unternehmen attraktiv nach außen zu präsentieren, bei der Außendarstellung ein wenig übertrieben oder beschönigt wird. Das geht schon damit los, dass gekaufte Bilder verwendet werden, anstatt Fotos aus dem eigenen Betrieb.

 

Wie können Sie sich und Ihr Unternehmen nun also gut nach außen darstellen, ohne aus Versehen eine unauthentische Webseite zu erschaffen? Angesichts falscher Signale sind die Bewerbenden enttäuscht, ziehen Ihre Bewerbung zurück oder erscheinen nach dem ersten Arbeitstag nicht mehr.  In diesem Beitrag finden Sie die wichtigsten Tipps für eine attraktive und authentische Webseitengestaltung sowie Hintergrundwissen zur fachkräfteorientierten Webseite und Bewerbungsprozedur.

 

Best Practice Karriereseite

Eigentlich könnte man sagen: Bleiben Sie als Unternehmen authentisch! Zeigen Sie, worauf Sie stolz sind, was Sie ausmacht, wer Ihre Mitarbeitenden sind. Schaffen Sie für potenzielle Bewerber*innen Klarheit über sich und den Bewerbungsprozess und achten Sie auf ein strukturiertes Onboarding.  Wie genau? Dazu können Sie unsere kurze Checkliste (FUM-Broschüre, Seite 49) nutzen.

Klare Visionen haben und teilen 
  • Wofür stehen Sie als Unternehmen? Wo wollen Sie hin, was sind Ihre Ziele?
  • Bewerber*innen wollen wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Setzen Sie also auf Klarheit, tragen Sie Ihre Vision authentisch und eindeutig auf Ihrer Webseite nach außen.
  • Nutzen Sie hier bitte nicht inflationär „Buzzwords“, nur weil diese gerade im Trend sind: Begrifflichkeiten wie Digitalisierung, New Work oder VUCA-Welt in der Vision, auf Ihrer Webseite oder im Karrierebereich können schnell zu viel werden und Bewerber*innen verwirren.
 
Aufbau eines separaten Karrierebereichs 
  • Leicht auffindbar im Header – am besten in einem Klick
  • Untergliederung nach anzusprechenden Zielgruppen
 

Verwendung authentischer Fotografien von Mitarbeitenden und Arbeitsplätzen

 
  • Stock-Fotografien sind zwar schick, doch dabei auch gleichzeitig „auf Hochglanz poliert“. Sie könnten ein anderes Bild von der tatsächlichen Unternehmenskultur vermitteln (und zeigen, nebenbei bemerkt, auch fremde Menschen).
  • Holen Sie sich doch mal eine Fotografin oder einen Fotografen ins Haus und lassen Sie Bilder von Ihren Mitarbeitenden und deren Alltag machen. Diese können Sie dann – natürlich nur mit Einverständnis – auf Ihrer Webseite teilen.
  • Bewerber*innen wissen dann gleich, wer die potenziellen neuen Kolleg*innen sein werden.
 

Klare Stellenbeschreibung

 
  • „Was genau soll ich tun und was wird von mir erwartet?“ – Bewerber*innen wollen vorab wissen, welche Anforderungen an Qualifikationen und Kompetenzen die ausgeschriebene Stelle mit sich bringt.
 

Kontaktpersonen mit Kontaktdaten und Bild darstellen

 
  • Für Bewerber*innen jeglicher Generation und mit jeglichem Hintergrund ist der aufregende Bewerbungsprozess einfacher, wenn sie wissen, wer die zu kontaktierende Person im Unternehmen ist.
  • Stellen Sie also bei der Stellenanzeige und im Karrierebereich allgemein ein, wer Ansprechpartner*in bei Fragen ist. Veröffentlichen Sie die Kontaktdaten (keine info@-E-Mail-Adresse) und am besten ein Bild dieser Person.
 

Klarer Bewerbungsprozess

 
  • Beschreiben Sie die Abläufe (inkl. grober Zeiträume) des Bewerbungsprozesses genau auf der Webseite. So wissen die Kandidat*innen bereits vorab, wann sie eine Rückmeldung und ggf. Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen.
  • Schicken Sie am besten am selben Tag bzw. so zeitnah wie möglich eine kurze Eingangsbestätigung der Unterlagen per E-Mail raus.
  • Wenn es zum Gespräch kommt, bereiten Sie Ihre Fragen an die Bewerber*innen anhand derer Lebensläufe und Anschreiben vor und nutzen Sie am besten einen strukturierten Gesprächsleitfaden. So vermeiden Sie, dass Sie sich im Gespräch verzetteln, nur ungenaue Fragen zur Person stellen oder viel zu sehr den Fokus auf Ihr Unternehmen und Ihre Benefits legen.
 

Onboarding

 
  • Nach dem erfolgreichen Kennenlernen und der Einigung, den Arbeitsweg gemeinsam zu beschreiten, sollten wichtige Grundsteine für die Mitarbeiter*innenbindung gelegt werden – dies geschieht durch strukturiertes Onboarding.
  • Wichtige Informationen zum Ablauf des ersten Arbeitstages und der ersten Arbeitswoche sollten vorab an den*die neue*n Kolleg*in gesendet werden.
  • Dazu braucht es einen Einarbeitungsplan und feste Ansprechpartner*innen im Unternehmen. Im Einarbeitungsplan müssen Abläufe und Prozessen im Unternehmen, Zuständigkeiten, Ansprechpartner*innen kommende Aufgaben und Ziele sowie wichtige Termine (für Feedbackgespräche) vermittelt werden.
 

 

Steigende Rekrutierungskosten als Folge

In einer 2021 veröffentlichten Studie zeigte sich besonders deutlich, wie hoch der Nachholbedarf von kleinen und mittleren Unternehmen im Sinne der fachkräfteorientierten Webseitengestaltung ist. Klare Strukturen, schnell auffindbare Karrierebereiche und nachvollziehbare Stellenanzeigen sowie Bewerbungsprozesse – hier war ganz häufig noch Luft nach oben. Wenn Arbeitgeber bestimmte Signale über die Unternehmenskultur, Benefits, das Miteinander und Arbeitsaufgaben senden, hoffen sie, so Arbeitnehmende für einen bestimmten Job zu gewinnen. Doch Vorsicht: Die Enttäuschung bei den Arbeitnehmenden ist dann umso größer, wenn die gesendeten Informationssignale seitens des Arbeitgebers unvollständig sind oder auch unbewusst gesendete Signale wie Desinteresse, Unehrlichkeit oder mangelnde Wertschätzung an Bewerbende existieren (sogenannte Signaling-Theorie von Spence 1973; Graf-Pfohl, Bartetzko, Trommer 2022). Gerade diese unbewussten Signale lassen sich gut im Bewerbungsprozess selbst oder an der Karriereseite erkennen.

 

Sie wollen mehr zur Studie erfahren? Hier können Sie sich die Ergebnisse und Checklisten kostenfrei herunterladen. Eine Eingabe Ihrer Daten ist nicht notwendig. https://www.atb-chemnitz.de/fileadmin/user_upload/Broschuere_FUM_final.pdf

 

Auch dieser XING-Blogbeitrag macht auf die Problematik aufmerksam und beleuchtet Warnzeichen aus Sicht der Bewerbenden.

 

Die Personalrekrutierungskosten schießen in die Höhe! Abgesehen vom schlechten Image, dass sich Unternehmen so aufbauen – denn Bewerbende sprechen mit Freund*innen, Familie und Bekannten über Ihre Erfahrungen!

 

Um kleinen und mittleren Unternehmen in Westsachsen bei Fragen der zielgruppenorientierten Webseitengestaltung generell zu unterstützen, sind in 2 neue spannende Projekte in der Pipeline: In der Stadt Chemnitz soll per Webseitenanalyse, der Expert*innenbefragung und Unternehmensworkshops Ansätze und Good Practices der für (künftige) Fachkräfte gut zugänglichen Webseitengestaltung ermittelt werden. Und im Landkreis Zwickau wird eine Machbarkeitsstudie zur Unterstützung und Begleitung der Unternehmen und Kundenbeziehungen durchgeführt.

 

Die aktuellen Zahlen zum Fachkräftemangel zeigen, dass sich Ihr Nachwuchs die Webseite zweimal anschaut und eine Bewerbung angesichts der Auswahl gut überlegt. Legen Sie daher Wert auf gute und authentische Darstellung nach außen und Nahbarkeit im gesamten Bewerbungsprozess.

 

 

Sie haben Fragen? Dann stehen Ihnen unsere Ansprechpersonen zur Verfügung.

 

Marit Bartetzko M.Sc.

Bereichsleiterin Personalentwicklung

E-Mail: bartetzko(at)atb-chemnitz.de

Tel.: +49 (0)371 | 369 58 24       

Claudia Graf-Pfohl, M.A.

Wissenschaftliche Projektmitarbeiterin

E-Mail: graf-pfohl(at)atb-chemnitz.de

Tel.: +49 (0)371 | 369 58 17

 

 

Veranstaltungen

Schwungvoll mit Ihnen in den Mittag! Tun Sie sich etwas Gutes! Egal ob allein oder mit Kolleg*innen. Egal ob mit oder ohne Kamera. Das Angebot ist kostenfrei. Probieren Sie es also einfach mal aus!
Wir freuen uns sehr, unser neuestes Angebot „KI zum Anfassen – Hands-on AI“ vorstellen zu können. Tobias Sanders, Mitarbeiter bei ATB und im Zukunftszentrum, bietet gemeinsam mit Kolleg:innen aus dem Zukunftszentrum praxisorientierte Workshops an, in denen Sie die Möglichkeit haben, verschiedene generative KI-Tools auszuprobieren und deren Anwendungsmöglichkeiten in Ihrem Unternehmen zu diskutieren.
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Wir begleiten Sie mit Forschung, Beratung und Qualifizierung in den Handlungsfeldern: